Irgendwie finde ich die Idee der #Ticketpaten für das #9EuroTicket bemerkenswert. Prinzipiell ist das eine gute Sache, zeigt Solidarität und ist unterstützungswert. Aber die Dynamik ist doch spannend. Vorher war Teilhabe an Mobilität viel teurer. Warum gibt es also solche Patenschaften erst gerade jetzt, wo es günstiger ist? Ich meine die Frage übrigens überhaupt nicht despektierlich sondern durchaus ernst und finde das Phänomen soziologisch und psychologisch interessant.

@thalon spannende Beobachtung. Ich denke, es liegt am konkreten Ereignis. Bei konkreten Veranstaltungen und Reisen in der Jugendarbeit zum Beispiel waren wir oft mit Soli-AKtionen für Interessierte, die den Teilnahmebeitrag nicht aufbringen konnten, dabei, weil es eben nen konkreten Anlass gab. Jetzt gibt es einen Anlass, allgemein Menschen zu Mobilität zu verhelfen. SPannend, dass man das ohne Anlass nicht tut...

@jakob_thoboell ja das kann sein. Würde aber leider auch bedeuten, dass es zum temporär gehypten Strohfeuer wird. Das fände ich schade. Gibt es Möglichkeiten, Solidarität zu verstetigen?

@thalon Statt nach "verstetigen" würde ich die Frage nach "hochskalieren" stellen: VIeles funktioniert ja im kleinen, in konkreten Netzwerken, wo man weiß, wer Hilfe benötigt, ganz gut. Da stellt sich für mich eher die Frage, wie kriegt man in einer Gesamtgesellschaft die Interaktionsweise etabliert, die in verschiedenen kleineren Bubbles - und dort auch gegenüber außenstehenden - oft schon lange praktiziert wird.

@thalon @jakob_thoboell Möchte ja kein Spielverderber sein, aber wo soll der beschenkte Hartz4 Empfänger denn mit dem 9 Euro Ticket einen Monat lang hin? Es ist wohl manchen nicht bewusst, dass zu der Scham sich zu melden, auch Vereinsamung kommt. Und was macht man dann allein und ohne Geld, wenn nicht mal Eis essen drin ist. Zumal es in der Ferienzeit ist, wo man mit oder ohne Kinder nirgends hin MUSS . Es scheint eher ein wunderbarer Hype zu sein um Klicks zu bekommen.

@thalon @jakob_thoboell Du kennst bestimmt viele Hartz4 Empfänger? Ich kenne 2 und bekomme sie kaum vor die Tür. Sie möchten nicht alles bezahlt bekommen, denn immer nur spazieren gehen ist auf die Dauer nicht so toll. Essen gehen, alle 2 Monate, Kaffeetrinken alle 3 Wochen. Wie gesagt, sie möchten einfach nicht, als Schnorrer gelten.

@AmiW Das basiert aber irgendwie alles auf einer Grundannahme, dass nur Dinge die Geld kosten valide Freizeitbeschäftigungen sind?

Wenn ich Freund*innen besuche sind die Fahrtkosten meist das höchste oder sogar einzige was ich zahle, dann wird halt ein paar Tage lang Filme geguckt, spazieren gegangen, videospiele gespielt, einfach nur Zeit miteinander verbracht.

Alles Dinge die keine Extrakosten in dem Moment verursachen sondern schon verfügbar sind.

(Hartz IV Empfänger*in hier)

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@sammy ja, das was halt sonst auch gemacht wird... ohne wegzufahren. Vorausgesetzt man hat noch Freunde. Wenn ich bei Twitter die Meinungen über Hartz4 Empfänger lese, verstehe ich sehr gut, dass man das lieber verschweigt.

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@AmiW uh, ja aber es ist ein Riesen Unterschied zwischen diese Dinge alleine tun, und sie mit Freund*innen gemeinsam tun.

Letzteres ist tausend mal angenehmer und wird durch günstige Fahrtkosten häufiger und einfacher möglich

@sammy dass wir uns nicht falsch verstehen... Jeder sollte das 9 €Ticket nutzen und sich freuen, aber dass es für Dieter Bohlen, die Penthousefamilie und den Student gleich viel kostet ist einfach bescheuert. Dann von einem Promi ne Aktion zu starten, es einzelnen großzügig für einen ganzen Monat!, wie ein Häppchen hinzuwerfen, find ich auch nicht besser. Warum 9 Euro und nicht 20? Warum nicht kostenlos für Arme und eben nicht in der Ferienzeit. Ich verstehe es nicht.

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